Kunst : Fritz Schubert (1901 – 1969)
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- von Josef Steinbichler -

Vor etwa 40 Jahren hat Max Saalfrank diese acht Ölgemälde mit Töginger Ortsansichten gekauft. 1997 schenkte er sie dem Töginger Heimatmuseum. Die Bilder, entstanden etwa 1952, sind im Format 22 x 31 cm, Öl auf Malpappe, nicht signiert.

Die Ansichten sind für Töging von großem Wert, weil sie den Ort darstellen, als er noch seine weitgehende dörfliche Ursprünglichkeit hatte.

Fritz Schubert kam im Oktober 1946 als Vertriebener nach Hütting bei Pleiskirchen. Schubert wurde am 17. Juni 1901 in Bodenbach bei Tetschen im Sudetenland geboren; er war bei einer Versicherungskreditanstalt beschäftigt. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes hat man ihn nicht zur Wehrmacht eingezogen.

Seine Freizeitbeschäftigung war die Malerei, die er als Autodidakt zu einer beachtlichen Reife entwickelt hatte. Der Kunsthistoriker Dr. Kupferschmied beurteilte seine Bilder folgendermaßen:

„Schubert zeigt für einen nichtakademischen Maler eine erstaunlich sichere Hand bei der Ausführung und einen sicheren Einsatz bei den bildnerischen Mitteln, also die Kompositionslinien, Beobachtung von Licht und Schatten und die Entwicklung des Bildraumes.

Trotz seiner großzügigen, zum Teil heftigen Pinselführung, die eine skizzenhafte Wirkung schafft, gibt es keine Korrekturen, keine so genannten Reuezüge. Das, was der Maler sagen will, stimmt beim ersten Farbauftrag. Der Maler arbeitete vom Dunklen ins Helle, das heißt, er verwendete offenbar eine vorbereitete dunkle, rotstichige Untermalung, auf der er die Motive dann rasch mit hellen Tönen entwickelte. Bei den acht Töginger Ansichten gibt er die Ortssituation wieder, ohne sich in Details zu verlieren. Er wollte keine ‚Szenen des Dorflebens’ malen, auch keine naturgetreuen Darstellungen. Wichtig war ihm, eine besondere Stimmung einzufangen, was nur gelingen konnte, weil er offenbar vor Ort, also nicht im Atelier arbeitete. So konnte er spontan auf bestimmte Bildsituationen reagieren. Die Figuren hat er offensichtlich nur als belebende Staffage eingesetzt.“


Schubert war stolz darauf, dass ihn akademische Maler anerkannt hatten. Versucht man seine Malweise stilistisch einzuordnen, fällt einem vielleicht Arnold Balwé (1898–1983) ein, mit dem ihn die Hinwendung zum späten Münchner realistischen Expressionismus verbindet.

Fritz Schubert war auf seine Weise ein Lebenskünstler und hat auf sein Äußeres wenig gegeben. Ältere Pleiskirchener erinnern sich an seinen krempenlosen Hut und an seine abgerissenen Hosenbeine. Er war fast immer mit dem Fahrrad zu sehen.

Der unverheiratet gebliebene Künstler verließ seine letzte Wohnung in Oberau im November 1968 und ging in ein Altersheim nach Burghausen. Dort ist er am 18. März 1969 knapp 68-jährig verstorben.

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Blick zum Koch-Schmied
Vom Rathausvorplatz erblickt man links das von Josef Koch umgebaute Gebäude des ehemaligen Jagerbauern, in der Bildmitte die Schmiede von Karl Koch, die 1965 bei der Begradigung der Hauptstraße abgerissen wurde. Hinten rechts der Gradbauer, davor die ehemalige Bäckerei Käser.

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Hauptstraße beim Irberbauern
Dort, wo rechts die Wolfgang-Leeb-Straße in die Hauptstraße einmündet, stand bis zum Jahr 1970 der Irberhof, ein großer Vierseithof, der wegen des Ausbaues der Ortsdurchfahrt abgebrochen wurde.

Im Bildhintergrund erkennt man die Rückseite der Schmiede von Karl Koch mit der kleinen Tankstelle, damals noch mit Pumpbetrieb. Daneben (hinten) das Rathaus und links davon das Lebensmittel- und Friseurgeschäft Spies.

Im Vordergrund links der Gradhof, worin sich auch das kleine Gemischtwarengeschäft der Betty Pfrombeck befand.

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Blick vom Kanalberg auf den Ort
Anlässlich der Verbreiterung der Hauptstraße und des Kanalberges im Jahr 1957 verschwanden die Betonsäulen beiderseits der Straße, am Fuße des Berges wurde die Straße mit den vielen Abzweigungen dem modernen Verkehrsaufkommen angepasst und darf sich nun „Stachus“ nennen.

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Blick auf das Aluminiumwerk
Der Standort des Malers war der Platz vor der Pfarrkirche. Vorne in der Bildmitte ist das Anwesen Hochhäusler zu sehen, links dahinter das Mechanikergeschäft Josef Huber und noch weiter links das Friseurgeschäft Wimmer. Das hohe Silogebäude im Aluminiumwerk hat sich nicht verändert, nur die Fabrikgebäude haben sich stark verändert.

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Bahnhof Töging
Das Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1924 hat sich nicht verändert, nur den alten Bahnhof (Bildmitte) hat man 1964 abgerissen. Die vielen Telefonleitungen sind inzwischen in der Erde verlegt, und auch die Spanngewichte für die Seilzüge der Weichen und Signale verschwanden 1978, als der Bahnhof Töging ein elektrisches Stellwerk bekam.

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Die Hauptstraße beim Textilgeschäft Huber
Ganz rechts ist ein Teil des Hofzaunes vom Lehnerhof zu sehen, dahinter zweigt die Leinbergerstraße in Richtung Siedlung ab; heute heißt sie Erhartinger Straße. Hinter dem Textilgeschäft Huber ist die Metzgerei Spitzauer auszumachen; ganz links ein Teil des Spitzauerstadels, daneben ein Gärtnereikiosk und ein Zeitungskiosk. Als 1957 die Kanalisation gebaut wurde, verschwanden die linken Gebäude, die Pfosten mit Holzplanken hat man durch eine Betonmauer ersetzt.

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Das etwa drei Kilometer nördlich von Töging gelegene Engfurt ist (so bezeichnete es der Töginger Lehrer und Heimatforscher Karl Hochberger in einem Aufsatz aus der Zeit um 1960) „kein Dorf, auch kein Weiler; die beste Bezeichnung ist Anwesen mit Kunstmühle, Säge- und Elektrizitätswerk, Gastwirtschaft, einem schloss-ähnlichen Wohnhaus, landwirtschaftlichen Nebengebäuden und Gartenanlagen“.

So erlebte es auch noch Fritz Schubert, als er das Gasthaus Engfurt mit dem ehemaligen Kastenhaus des Gutshofes im Bild festhielt.

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Hauptstraße beim Lehnerbauern
In der Bildmitte ist das Lebensmittelgeschäft Sachs zu sehen, rechts hinten beim Rathaus der Schlauchturm der Feuerwehr.

Der Lehnerhof (links) musste 1968 dem Ausbau der Hauptstraße weichen. Ganz typisch bei diesem Bild ist Fritz Schuberts Darstellung der Personen.

18.08.2017 03:17


Zufallswissen

Personen - Josef Pfaffinger

Personen
Josef Pfaffinger

der erste Totengräber von Töging

Pfaffinger Josef, geb. 1878, gest. 1961
Pfaffinger Rosina (Frau)
aus der Ehe stammen 7 Kinder, 4 Söhne und 3 Mädchen.

Wohnhaft Froschau Töging
- Goasenzüchter; 1.Besamungsstelle
- der größte Schnupfer vom Landkreis im Leben 4 ztr.
- Ein Mann der damals schon einen Ohrring trug
- Totengräber von 1930 – 1956 amtl. und ehrenamtl.
- Ein wichtiger Spruch von Opa Pfaffinger: „Jetzt wird’s Liacht hat der Pfaffinger g'sagt und dann hat's ihm Dach davon.“

Der jüngste Sohn Hans Pfaffinger lebt noch in Töging